geschrieben von Alain Veuve MD, Switzerland
Digital Economy: Ohne eigene Entwicklungsabteilung geht es nicht
Digital Economy: Ohne eigene Entwicklungsabteilung geht es nicht
24.05.2017
Über den Autor Alain Veuve Alain Veuve MD, Switzerland

Als ich letzten Monat dem Logistikkonzern „bayernhafen“ ein Interview gab, kam das Gespräch unter anderem auf das Thema eigene Software-Teams. Ich behauptete, dass es für die Unternehmen die Pflicht sei, die Abläufe und die User Experience mittels Technologie so kostengünstig und einfach wie möglich zu gestalten. Die Kür hingegen sei, eigene Software-Entwicklungsteams aufzubauen um neue Modelle und Experimente zu wagen.

Make and Buy

Das hat für Verwirrung gesorgt. So wurde ich zum Beispiel gefragt, ob ich nun der Meinung sei, man solle sämtliche E-Business Software selber entwickeln. Und ob Standardsoftware ein Auslaufmodell sei. Beides finde ich hinreichend absurd.

Dabei, so finde ich, ist die Sachlage eigentlich sehr simpel. Wir alle gehen davon aus – und haben das in den letzten Jahren eindrücklich beobachten können – dass sämtliche Geschäftsfelder mehr und mehr softwarebasierte Geschäftsfelder werden. Das heißt nicht, dass physische Abläufe irrelevant würden, sondern, dass diese physischen Abläufe durch Software gesteuert und optimiert werden. Besonders gut sieht man das in der Logistik.

So haben zum Beispiel Micro-Store-Konzepte mit hunderten von Robotern die Kleinteilelager bei Pionieren übernommen. Sie sind zuverlässiger, supereffizient und lassen sich in die gesamte Prozesskette integrieren.

Alle Unternehmen beschreiten also konzeptionell und operationell neues Terrain. Wer neue Ideen mit Software am schnellsten und effizientesten umsetzen kann, verschafft sich erhebliche Wettbewerbsvorteile.

Software ist nicht Mittel zum Zweck – Software wird künftig das Asset Nummer Eins sein

Software ist also nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ein Asset an sich. Sie ist das Toolset, die fundamental neue Prozesse erst ermöglicht. Diese Prozesse sind wiederum der Nährboden für neue – und teilweise disruptive – Geschäftsmodelle. Ich schreibe bewusst „Nährboden“, da ich nicht denke, dass die Kombination aus Ideen, Kultur, Technologie, Software und komplett neuen Prozessen per se zu neuen Geschäftsmodellen führt.

Wenn Sie als Unternehmer in dieser Situation nur auf Standardsoftware setzen, bewegen Sie sich in bekannten Trampelpfaden. Denn Standardsoftware, wie es der Name ja schon sagt, setzt auf Standards und Best Practices.

Ich denke, jetzt wird auch klar, warum ich für eine Strategie des „Make and Buy“ plädiere. Denn nicht alle Prozesse müssen komplett neu erfunden werden. Diese Basisprozesse können gut und gerne mit Standardsoftware abgedeckt werden.

Die wirkliche Innovation in Ihrem Geschäft bringen Sie aber mit neuen Konzepten und für diese gibt es keine Standardsoftware – weil Innovation und neue Konzepte eben nicht Standard sind.

Eigene und externe Teams

In diesem Kontext ist von entscheidender Wichtigkeit, eigene Software entwickeln zu können. Ich treffe im Moment viele Firmen, welche diese Notwendigkeit sehen und mit dem Gedanken spielen, eigene Software-Teams aufzubauen.

Für Unternehmen die damit, also mit Software-Entwicklung, keine Erfahrung haben, ist das ein ziemlich schwieriges Unterfangen.

Ich rate denn auch fast allen Unternehmen, sich das nicht anzutun und mit externen, dedizierten Teams zu arbeiten. Damit meine ich nicht Offshore Teams, da ich damit für die Entwicklung von neuen Innovationen nicht die beste Erfahrung gemacht habe.

Vielmehr geht es darum, mit Software-Dienstleistern exklusive Teams zu formen, welche ausschließlich für das Unternehmen arbeiten.

Headstart

Das ermöglicht einen schnellen Start in die Entwicklung. Solche Software-Dienstleister bringen auch viel Basis-Know-how rund um die Software-Entwicklung mit. Wir unterstützen bei AOE mit solchen Teams eine Vielzahl von Enterprise-Kunden. Die meisten können innerhalb weniger Wochen bereits die erste nutzbare Softwarekomponente einsetzen.

Parallel dazu, und das empfehle ich ausdrücklich, sind eigene Teams aufzubauen. Dies nicht aus Kostengründen, sondern aus dem einfachen Grund, dass es mittelfristig zur Kernkompetenz einer Unternehmung gehören wird, softwarebasierte Prozesse flexibel anzupassen und \ oder neu zu erstellen.

Denn in einer Welt des immer schneller werdenden Wandels gehört diese Flexibilität und Wendigkeit zu den Grundvoraussetzungen für erfolgreiches wirtschaftliches Handeln. Und da steht Software ganz weit vorne auf der Liste der Prioritäten.