geschrieben von Christian Holzschuh Online Marketing
Warum die Digitalisierung der Airport Industrie unausweichlich geworden ist
Warum die Digitalisierung der Airport Industrie unausweichlich geworden ist
Über den Autor Christian Holzschuh Christian Holzschuh Online Marketing

Das AOE-Team hat durch innovative Entwicklung eine neuartige Omnichannel Plattform für den Frankfurter Flughafen geschaffen. Ziel des Projekts war die Vernetzung von reiserelevanten Informationen, Serviceangeboten des Flughafens und Shoppingmöglichkeiten – und damit die Digitalisierung des Frankfurter Flughafens. Hintergrundfakten zum bislang aufwendigsten und anspruchsvollsten Projekt unserer Geschichte.

Der Frankfurter Flughafen steckt voller Superlative! Er ist mit jährlich 61 Millionen Passagieren der mit Abstand größte Flughafen in Deutschland, nach London Heathrow Nummer 2 in Europa und weltweit auf Platz 11.  Zum Vergleich: 61 Millionen Passagiere sind mehr als die Einwohner Kanadas und Australiens zusammen. Über 160.000 Passagieren am Tag, das entspricht der Abfertigung einer mittelgroßen Stadt, jeden Tag! Dazu kommen noch die 80.000 Arbeitsplätze am Flughafen – mehr Menschen als das Maracanã Stadion in Rio de Janeiro fasst.

Der Flughafenbetreiber Fraport ist der Herr über den Flughafen. Neben dem Flugbetrieb ist er vor allem verantwortlich für die Infrastruktur: Die Vermietung von Flächen an Händler und Restaurants, Parkplatzmanagement und Werbeflächen, aber auch für digitale Assets wie WLANs, iBeacons und Passagierdaten. Fraport legt Ankunfts- und Abflugsgates fest, steuert die Passagierströme, die Security Bereiche und kennt dank den Passagierdaten seine Besucher. Rund 200.000 potenzielle Kunden tummeln sich pro Tag am Flughafen – und ist damit Deutschlands größte Shopping Mall! Und an jedem ausgegebenen Euro verdient der Flughafen mit, da die Händler eine Umsatzmiete zahlen.

Gründe für die Digitalisierung eines Flughafens

Nun stellt sich auf den ersten Blick die Frage: Warum benötigt ein Flughafen eine Digitalisierungsstrategie, wieso E-Commerce?

Wenn man darüber nachdenkt kommt man schnell zum Ergebnis: Selbstverständlich macht Digitalisierung für einen Flughafen Sinn! Sogar in vielerlei Hinsicht.

Die Passagiere kennen sich größtenteils nicht aus – was ist besser als zusätzliche Services wie Flugdaten, In-Airport Navigation und Informationen zu Gate-Änderungen anzubieten?

Reisende am Flughafen haben viel Zeit. Vor und nach dem Einchecken, in Warteschlangen zum Security Bereich, beim Warten auf Anschlussflügen, am Gate, im Flugzeug – einen Großteil ihrer Zeit verbringen Passagiere mit Warten. Dazu sitzt bei Flugreisenden das Geld relativ locker, viele vertreiben sich die Zeit mit Shopping für die Angehörigen oder um sich selbst etwas gutes zu tun. Warum also nicht die Wartezeiten durch Serviceangebote und Onlineshopping nutzbar machen?

Der Flughafen kennt seine Passagiere und deren Wege – Sonderangebote auf dem Weg können angezeigt werden, und mit erzielten Loyalty Punkten für jeden Einkauf kann sich der Kunde beispielsweise eine Massage oder die kostenlose Nutzung der VIP Lounge gönnen.

Der Frankfurter Flughafen: Deutschlands größte Shopping Mall

Der Flughafen hat also eine Vielzahl an Interessen. Den Passagieren einen angenehmen Aufenthalt gewährleisten, ein gutes Angebot an Restaurants und Shoppingmöglichkeiten bieten und den Händlern optimale Voraussetzungen für hohe Umsätze schaffen. Darüber hinaus bietet Fraport noch eigene Premium-Services wie VIP Lounges, Limousinen-Service oder Gate-to-Gate Service an.

Die Digitalisierung des Flughafens macht also in vielerlei Hinsicht Sinn. Aber es ist mehr als nur eine App oder ein Onlineshop. Es handelt sich um die Vernetzung von reiserelevanten Informationen, dem Angebot von Dienstleistungen und der Möglichkeit zum Einkaufen sämtlicher Produkte am Flughafen – auch von Geschäften, die der Passagier gar nicht passiert.

Dienstleistungen, die die Passgiere bis dato oft nicht wahrgenommen haben, können nun in den Fokus gerückt werden. Die Passagiere erhalten kostenlos zusätzliche Informationen, besondere Angebote und Zugang zu allen Shops und Produkten am Flughafen. Die Händler erhalten eine zusätzliche digitale Bühne und erfahren eine Steigerung des Umsatzes, was insbesondere für Händler in Randlagen ein großer Vorteil sein kann. Und der Flughafen steigert seine Standortattraktivität, verdient durch die Umsatzbeteiligung und belohnt Einkäufe durch sein Loyalty Programm.

Herausforderungen Systemintegration, Order Management und Logistik

Die Komplexität und die Anforderungen des Projekts waren sehr hoch. Die Magento-Plattform sollte leistungsstark und skalierbar sein, so dass man hohe Besucherzahlen stemmen und nach Bedarf Händler und Systeme zuschalten kann. Jeder Händler hat ein eigenes Produkt-Sortiment mit eigenen Produktdaten, Warenwirtschaftssystemen und Logistik, die in die Lösung integriert werden mussten. Eine weitere Herausforderung war die Verbindung von reiserelevanten Informationen wie Flugverspätungen oder Gate-Wechsel, Serviceangeboten und dem Loyalty Programm sowie den Shopping-Möglichkeiten – alles über eine Applikation.

Natürlich sollen die Passagiere frei wählen können, wie sie an die bestellte Ware kommen. Ob über Online-Kauf oder Vorbestellung und In-Store Pick-Up, Lieferung ans Ankunfts- oder Abflug-Gate oder Home-Delivery: die Kunden sollen einen nahtlosen Omnichannel Commerce erfahren, bei einer Lieferzeit am Flughafen von maximal 45 Minuten! Sehr beeindruckend, hat der Frankfurter Flughafen mit einer Fläche von 20 km² doch die zehnfache Größe von Monaco. Oder anders gesagt, die Fläche von 2.801 Fußballfelder.

Eine komplette Omnichannel Travel & E-Commerce Mall in zwölf Monaten

Angetrieben von Enterprise Open Source Komponenten wie Magento, Mule, Akeneo und OroPlatform,

Im Dezember 2015 ist das Projekt in seiner ersten Version online gegangen. Ohne größeren Probleme, ohne nennenswerten Verzögerungen. Nach 12 Monaten Entwicklungsarbeit vom Start bis zum Launch. Zeitweise waren über 70 Entwicklern in 8 SCRUM Teams am Werk, in agiler Zusammenarbeit mit verschiedenen Fraport-Abteilungen und dritten Dienstleistern. Dabei wurden 35 Services integriert, es sind 120 Server in zwei Datencentern im Einsatz. In insgesamt ca. 10.000 Personentagen – das entspricht 365 Arbeitstagen für 27,4 Entwicklern – hat unserer großartiges Team die Vision von Fraport erfolgreich umgesetzt. Wir sind sehr stolz!

Vorzeigeprojekt für Bahnhöfe, Shopping-Center und Innenstädte

Das Projekt gewann die Magento Imagine Excellence Auszeichnung für die beste Omnichannel Experience und könnte dabei als Blaupause für Shopping-Center, Bahnhöfe oder ganze Innenstädte dienen. Auch hier finden sich zum Teil ähnliche Strukturen und Motivationen, um den Handel anzukurbeln, den Standort zu stärken und Serviceangebote mit Shopping zu vernetzen. Der Frankfurter Flughafen ist als Vorreiter diesen Schritt gegangen und hat in die digitale Zukunft investiert – und dürfte nun einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil haben.

Hier lesen Sie die komplette Frankfurt Airport Case Study.