geschrieben von Daniel Räder Projektmanagement
Scrum Master Gathering 2017
Scrum Master Gathering 2017
20. November 2017 | Kategorien: Behind the scenes , Agility & Project Management , News & Trends
Über den Autor Daniel Räder Daniel Räder Projektmanagement

Am 10. November 2017 trafen sich 45 Agilisten zum jährlichen “Scrum Master Gathering“ bei AOE. Eingeladen waren 45 Scrum Master aus ganz Deutschland, darunter Kollegen und Kolleginnen von andrena objects, Namics und //Seibert/Media.

Das Gathering wurde als Open-Space-Veranstaltung durchgeführt. Zum Beginn des Events wurden die Prinzipien dieses Formats vorgestellt und im Anschluss die einzelnen Sessions geplant. Hierzu haben die Teilnehmer die Themen, Fragen und Workshops eingebracht, die sie am meisten interessieren. In fünf parallellaufenden Tracks von jeweils 30 Minuten konnten die Teilnehmer insgesamt 19 Themen bearbeiten. 

Highlight-Themen: Die optimale Kommunikation, Herausforderungen für Scrum Master und agile Prozesse

Die 19 Themen umfassten die komplette Bandbreite der Bereiche, die ein Scrum Master in der täglichen Arbeit berücksichtigen muss, darunter „Multiprojekterfahrungen“, „Scrum Guide Revisionen“ und „Scrum/Agile in der Medienproduktion“. Nachfolgend skizzieren wir einige der wichtigsten Themen.

1. Die optimale Kommunikation

Kommunikation in all ihren Facetten war eines der wichtigsten und umfassendsten Themenbereiche des Events. Hier, einige Stichpunkte:

  • Wertschätzende Kommunikation – Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg war vielen Teilnehmern schon ein Begriff. Da dieser Handlungsansatz aber sehr viel Potenzial für konstruktive Kommunikation bietet, wurde er von einem Teilnehmer nochmals vorgestellt, woraufhin eine angeregte Diskussion zum Thema stattfand.
  • Pioneer Cards – Die Pioneer Cards wurden von mir vorgestellt. Sie bieten mit ihren jeweils 32 Werte- und Kompetenzkarten eine tolle Möglichkeit zur Selbstreflexion. Sie können aber auch in Verbindung mit GFK genutzt werden, um sich selbst oder Gesprächspartnern klar zu machen, welche Werte beziehungsweise Bedürfnisse hinter einem Konflikt stehen. Die Karten eignen sich ebenfalls hervorragend für die Teamentwicklung oder für die Kommunikation in Retrospektiven. Hier können sie eingesetzt werden, um dem Team als Basis für ein gemeinschaftliches Werteverständnis zu dienen. Sollten neue Teammitglieder in das Team integriert werden, können diese Werte mithilfe der Karten transportiert und transparent gemacht werden. Alternativ zu den Pioneer Cards wurden die Moving Motivators aus dem Management 3.0 genannt, welche allerdings einen etwas anderen Fokus haben.

2. Herausforderungen für Scrum Master

Herausforderungen für Scrum Master gibt es viele. Die folgenden Themen waren daher nicht die einzigen, die während des Events besprochen wurden: 

  • Wie messe ich meinen Wert als Scrum Master? Soll sich die Scrum Master Rolle im Idealfall selbst rationalisieren? – Auf diese Fragen folgte eine angeregte Debatte, ob der Wert eines Scrum Masters überhaupt messbar ist und falls ja, wie. Allgemein wurde die Meinung vertreten, dass der Wert des Scrum Master nicht so richtig gemessen werden kann, es jedoch Sinn mache, sich Feedback von allen Seiten, vor allem vom Team, zu holen und dieses Feedback mit der Eigenwahrnehmung abzugleichen. Sich selbst rationalisieren sollte der Scrum Master wirklich nur, wenn er ein sehr ausgereiftes Team hat (siehe z. B.: Phasenmodell nach Tuckman). Die Rationalisierung sollte aber stets das Ziel sein. Wenn jedoch ein Team der Meinung ist, dass es sich nicht mehr weiterentwickeln kann, sollte man nochmal genau hinschauen – denn lernen kann man immer. Hierbei sei es sehr wichtig, dass der Scrum Master sich stets weiterentwickele. Falls er dies nicht tut, limitiert er die Weiterentwicklung des Teams. Fazit der Teilnehmer: Dies sollte niemals passieren.
  • Retro-Techniken – Erfahrungen, Fails, Impulse: Scrum Master berichteten über coole und schief gelaufene Retros; Ideen und Vorschläge wurden ausgetauscht.
  • Feste Sprints / kurzfristige (Um-)Priorisierung – Hier fand eine angeregte Diskussion über die aktuelle Strategie des Dienstleisters statt, der die Frage eingebracht hat. Der Dienstleister setzt Scrum als agile Lösung für den Support im E-Commerce ein. Input der Teilnehmer war ein größeres Vertrauensverhältnis zum Kunden aufzubauen, um mehr Verständnis für das Vorgehen zu etablieren. Alternativ wäre es vielleicht sinnvoll, Kanban zu nutzen, welches sich mehr für Output statt Outcome (Business Value) eignet.

3. Agile Prozesse

Natürlich ist die Agilität die Basis für unsere Arbeit als Scrum Master. Dennoch möchte ich zwei Themen gezielt herauspicken, die ich kurz vorstellen möchte:

  • Entscheidungsfindung in selbstorganisierten Teams – In Teams sind permanent Entscheidungen zu treffen. Angefangen bei unterschiedlichen Lösungsansätzen im Task Breakdown bis hin zu den wirklich wichtigen, schwierigen Fragen („Wohin gehen wir als Team gemeinsam zu Mittag essen“?), sind im Team-Alltag viele Entscheidungen zu treffen. In einem selbstorganisierten Team ohne Hierarchien ist es auch die Aufgabe der Scrum Master, diese Entscheidungsfindung zu moderieren und dem Team dabei zu helfen, eine Entscheidung zu treffen, die möglichst niemanden außen vor lässt. Wir haben in der Session zusammengetragen, welche Methoden und Tools wir kennen und in welchen Fällen man sie einsetzen oder auch nicht einsetzen würde. Das Dot-Voting als klassisches Tool eines Mehrheitsentscheids war schnell abgehakt und so wurde länger über seltener eingesetzte Methoden, wie der Konsultative Einzelentscheid, Consent, Expertenentscheide, Systemisches Konsensieren und die Notwendigkeit eines Vetorechts gesprochen. Auch auf den ersten Blick unsinnige Methoden, wie der Münzwurf und die Drohung als Moderator selbst zu entscheiden, haben in der Werkzeugkiste einen Platz gefunden. Wenn ein Team sich im Allgemeinen einig ist und sich in Diskussion in Details verliert, kann man beide Methoden sehr gut einsetzen. Auch die Rolle des „Diktators“ kann in einem gleichberechtigten Team durchaus sinnvoll sein, solange die Rolle regelmäßig rotiert und es um eher belanglose Entscheidungen geht.
  • Ubongo Flow Game – Auf den ersten Blick fragt man sich vielleicht, was ein Spiel mit agilen Prozessen zu tun hat. In diesem Workshop zu Prozessveränderungen erhielten die Teilnehmer darauf eine Antwort: In der Ubongo-Flow-Session wurde dieses Agile Game vorgestellt, das auf dem bekannten Brettspiel Ubongo von Kosmos basiert. Ziel dieser Team-orientieren Übung ist es, den Team-Mitgliedern zu veranschaulichen, dass und wie unterschiedliche Vorgehensweisen zu unterschiedlichen Ergebnissen und einer unterschiedlichen Effizienz führen können. Das Spiel wird in drei Runden gespielt, ist sehr unterhaltsam und hat eine coolen Lerneffekt. Prinzipiell kann man sagen, dass es sehr hilfreich ist, ein Agile Game schon einmal gespielt zu haben, um die Ecken, Kanten und Ziele der Übung zu kennen. Daher war es prima, dass wir Teilnehmer Ubongo Flow Hands-on und live erleben konnten.

Kudos

Der besondere Dank aller Teilnehmer gilt dem Gastgeber, AOE; Christian Zenker, Martin Tepper und Daniel Räder vom AOE-Organisationsteam; sowie allen anderen, die zum Erfolg des Scrum Master Gathering beigetragen haben.

Wir möchten auch Tobias von Garnier Photography danken, bei dem sämtliche Bildrechte für die Fotos in der Fotogalerie und dem Titel liegen. Danke auch an Christian Zenker für die Scribbles im Composite der Fotogalerie.

Fotogalerie: Scrum Master Gathering 2017

2017 © Fotos von Tobias von Garnier Photography