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Insights / Technology

Usability first: Nutzerzentrisches Design als Wettbewerbsvorteil im Industriekontext

05. November 2021
Über den Autor Wilma WundererWilma Wunderer
Concept Developer, UX & Interaction Design

User Experience (UX) für industriell genutzte Software: Was lange Zeit kein Thema war, wird mit steigender Komplexität der Anwendungen und fortschreitender Digitalisierung immer wichtiger. Usability und Design sind längst nicht mehr nur im Business-to-Consumer- oder Business-to-Business-Bereich relevant. Bei AOE arbeiten wir seit jeher technologie- und UX-getrieben und verstehen daher, wie wichtig es ist, Systeme auf die Bedürfnisse und das Umfeld der Nutzer:innen abzustimmen – auch im industriellen Kontext.

Worum geht es hier genau und in welchen Aspekten unterscheiden sich Business- und Consumer-Projekte?

In einem klassischen Online-Shop müssen Konsument:innen vom Shop selbst und dem Produkt überzeugt werden, um diese zum Kaufabschluss zu motivieren. Hier sind oft die ersten Sekunden entscheidend. Gelingt dies nicht, oder führt die Anwendung zu Fehlern, springen die Kund:innen ab und kommen im schlimmsten Fall nie wieder. Kein Mensch möchte lernen müssen, wie ein Online-Shop funktioniert. Bei Business- oder Industrieanwendungen haben die Nutzer:innen dagegen häufig keine Wahl über das zu verwendende System, und müssen daher lernen, wie dessen Bedienung funktioniert.

Softwareanwendungen im industriellen Kontext sind oft komplex, bieten eine Fülle an Funktionen und müssen eine große Anzahl an Daten erfassen und verarbeiten. Es bestehen häufig verschiedene Schnittstellen zu verteilten Systemen, die an unterschiedlichen Geräten mit unterschiedlichen Interfaces miteinander kommunizieren müssen. Der Lebenszyklus einer industriell genutzten Software ist meist erheblich länger als der einer in App Stores verfügbaren App.

Ist die Bedienung einer solchen Anwendung ebenfalls komplex, müssen Schulungen angeboten werden, welche für ein Unternehmen z.T. erhebliche Investitionen in die Mitarbeiter:innen darstellen. Hier kommen wir zum ersten Vorteil einer guten User Experience: Eine verständliche Bedienoberfläche reduziert Schulungsaufwände und Kosten für Einarbeitung. Zudem können ungeschulte Mitarbeiter:innen leichter einspringen und unterstützen, was das Gestalten der Arbeitsplanung flexibler macht. 

Aber auch geschultes Personal arbeitet effizienter, wenn die Anwendung sich konsequent an ihren Bedürfnissen und Anforderungen orientiert. Eine Benutzeroberfläche, die immer genau die gerade benötigte Funktion in den Vordergrund stellt und klare Handlungsaufforderungen geben kann, erleichtert das Arbeiten und minimiert Fehler. Individuelle Rechte- und Rollenkonzepte können hier systemseitig unterstützen, indem Inhalte und Funktionen nur bestimmten Benutzergruppen zugänglich gemacht werden und somit ein fokussiertes Arbeiten ermöglichen.

Einblick in die Entwicklung einer industrie-fokussierten User Experience

Für die Konzeption spielt neben den jeweiligen Bedingungen des spezifischen Arbeitsumfelds eine große Rolle, ob es sich bei der Anwendung um ein Produkt für die Lösung ganz neuer Aufgaben handelt oder um ein Werkzeug, welches bereits bestehende und vertraute Arbeitsabläufe optimieren soll.

Bei neuen Produkten müssen Designer:innen die Aufgaben und Ziele kennenlernen und verstehen, um gemeinsam mit allen Projektbeteiligten Szenarien für die User Experience entwickeln zu können. Design Thinking und iterative Design-Sprint-Methoden können hier helfen, Ansätze für die Entwicklung zu finden.

Für die Optimierung bestehender Arbeitsweisen kann eine dedizierte Designphase als Vorprojektphase hilfreich sein. Diese wird am effektivsten in enger Abstimmung mit Fachkräften und Nutzer:innen in partizipativen Designprozessen. Das Research bezieht sich hier auf die bestehende Situation, das Finden von Pain Points und nicht erfüllten Bedürfnissen. Denn die Nutzer:innen in Industrieprojekten haben oft sehr spezifische Anforderungen und das Umfeld verlangt nach besonderen Maßnahmen. 

Klickbare Prototypen simulieren und visualisieren Arbeitsabläufe im Vorfeld, Usability-Tests an gelieferten Inkrementen sollten aber möglichst vor Ort unter realistischen Bedingungen stattfinden. Denn wenn in der Lagerhalle die Lichtverhältnisse schlecht sind, die Bildschirme nicht optimal positioniert werden können oder während der Arbeit Handschuhe getragen werden müssen, ergeben sich Anforderungen, die in einer Bürosituation nicht nachstellbar sind.

4 Gestaltungsprinzipen zur Steigerung der Usability für industriell genutzte Softwareprodukte

Für unser aktuelles Projekt legen wir 4 Gestaltungsprinzipien zugrunde, die dabei helfen, Entscheidungen während des Designprozesses leichter zu fällen und zu diskutieren:

1. Einfachheit

Die meisten Menschen lesen keine Bedienungsanleitungen. Wenn eine Anwendung ohne sie auskommen soll, müssen alle Optionen leicht auffindbar sein. Je mehr Auswahlmöglichkeiten Nutzer:innen jedoch haben, desto mehr Entscheidungen müssen sie treffen. Das verlangsamt das Arbeiten erheblich. Um Aufgaben fokussiert nacheinander abarbeiten zu können, werden kontextabhängig Optionen hervorgehoben, wobei die versteckten bei Bedarf jederzeit leicht wiedergefunden werden.

2. Effizienz

Vorschläge für sinnvolle Anschlussoptionen nehmen den Nutzer:innen Arbeit ab und führen schneller zum vorher definierten Ziel. Aber auch Benutzereingaben erfordern viel Mühe und Zeit. Vorgegebene, wohl überlegte Optionen und mit Bedacht gesetzte Voreinstellungen helfen dabei, die Menge an Benutzereingaben so gering wie möglich zu halten. Ein funktionaler Designansatz gewährleistet zudem schnellere Reaktionen der Benutzeroberfläche, sodass Nutzer:innen nicht mit langen Ladezeiten aufgehalten werden.

3. Konsistenz

Wir orientieren uns an Standards und verwenden bekannte und bewährte Elemente, damit Benutzer:innen wissen, was als nächstes zu tun ist, ohne neue Modelle und Tools erlernen zu müssen. Dies betrifft Interaktionselemente, Navigationsmechanismen und Organisationsstrukturen. Es gilt: Sieht etwas gleich aus, sollte es sich auch gleich verhalten. Somit wird das Design stabil, zuverlässig und vorhersehbar – wichtige Eigenschaften für eine effiziente Arbeit mit einem digitalen Interface.

4. Klarheit

Ein klares, minimalistisches Design, natürlich im Einklang mit der Corporate Identity, vermeidet unnötige Designelemente. Form follows function bedeutet in diesem Kontext, dass das Aussehen strikt dem Verhalten folgt. Emotionalität hat hier keinen Platz, gute Erkennbarkeit dagegen immer Vorrang. Ausreichend Kontraste sind wichtig, wenn die Anwendung z.B. warnen soll oder die Arbeitsumgebung schwierige Lichtbedingungen aufweist. Bei langer Nutzung einer Anwendung muss dagegen darauf geachtet werden, Ermüdungserscheinungen der Augen durch zu viele Kontraste vorzubeugen.

Fazit

Eine intuitive Bedienung kann einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Vergleich zu Konkurrenzprodukten darstellen. Benutzerfreundliche Interfaces können Anwendungsfehler reduzieren und die Arbeitsgeschwindigkeit steigern. Somit wird Usability zum Erfolgsfaktor für Industrieprodukte.