geschrieben von Thorsten Essig Entwickler
Flamingo für die Ewigkeit
Flamingo für die Ewigkeit
21. September 2020 | Kategorien: Behind the scenes, Technologies & Open Source
Über den Autor Thorsten Essig Thorsten Essig Entwickler

Microsoft-Tochter GitHub nimmt Open-Source-Frontend-Framework von AOE in Permafrost-Langzeitarchiv auf

Daten halten nicht ewig. Verfügt eine DVD über eine Lebenszeit von rund 100 Jahren, gibt eine Festplatte nachweislich bereits nach zwei bis zehn Jahren den Geist auf. Darauf gespeicherte Daten gehen verloren. GitHub hat einen Weg gefunden, die Lebensdauer digitaler Daten zu verlängern. Hierfür hat die Microsoft-Tochter den auf ihrer Plattform gelisteten Code jetzt in der Arktis eingelagert. Dort soll er mindestens 1.000 Jahre überdauern. Auch dabei: Das Open-Source-Frontend-Framework Flamingo von AOE.

Thorsten Essig
Eine Kopie von Flamingo zu haben, die garantiert nicht verändert werden kann, und auf die man in 1.000 Jahren immer noch zugreifen kann, finde ich eine sehr spannende Vorstellung. Mittlerweile ist Flamingo ja bereits in Version 3.2 verfügbar und in etabliertem Einsatz bei großen trafficstarken und dynamischen Seiten wie beispielsweise krisshop.com oder bei der Telekom. Neben GitHub ist Flamingo inzwischen auch auf der Community-Seite go.dev als Web-Framework gelistet.
Thorsten Essig
Entwickler
AOE

Technologie „on the rocks“

Vergessene Technologien, von denen die Welt profitiert hätte, gibt es einige. Römischer Beton etwa oder Flüssigsalzreaktoren. Einen ähnlichen Wert sieht die Microsoft-Tochter GitHub auch bei Open-Source-Software und möchte sie daher für die Nachwelt erhalten. Um dies zu erreichen, setzt GitHub auf mit QR-Codes bedruckten Filmspulen aus Polyester. Gelagert werden sie in 250 Meter Tiefe einer Kohlemine in der Eiseskälte der Arktis, in Spitzbergen. Dies soll eine Lebensdauer von mindestens 1.000 Jahren garantieren. Trotz Verzögerungen durch die Corona-Krise wurden im Sommer 2020 nun zahlreiche Kartons voller Mikrofilme mit Code-Projekten auf Spitzbergen erfolgreich eingelagert. Teil des sogenannten „Arctic Code Vaults“ ist auch Flamingo, eigenentwickeltes flexibles Frontend für Headless Microservice-orientierte Commerce-Plattformen der AOE.

Flamingo – Software unter Artenschutz

Bereits seit April 2019 ist Flamingo auf GitHub verfügbar. Flamingo besteht aus zwei Hauptkomponenten, die aufeinander aufbauen. Zum einen gibt es Flamingo Core, welches für die Entwicklung anspruchsvoller Webanwendungen mit maßgeschneiderten Frontends gedacht ist. Zum anderen Flamingo Commerce. Diese Komponente wurde entwickelt, um die Anforderungen von E-Commerce-Anwendungen zu erfüllen. Sie lässt sich leicht in Headless E-Commerce-Backends integrieren.

Als unbezahlbares Wissen eingestuft, lagert also nun auch Flamingo unter Hunderten von Metern Permafrost in einem arktischen Tresor, um sicherzustellen, dass zukünftige Generationen darauf zugreifen können, selbst wenn die Zivilisation innerhalb der nächsten 1.000 Jahre untergehen sollte. Neben Anerkennung gab es für AOE auch eine Auszeichnung, den sogenannten „Arctic Code Vault Badge“. Voraussetzung für die Archivierung war, dass Flamingo zwischen dem Februar 2019 und Februar 2020 mindestens einen Commit sowie einen Stern erhalten hatte.

Zwischen Kirche und Kulturpflanzen

Darüber hinaus ist das Archiv auf Spitzbergen auf die lange Lagerung von geheimen Daten spezialisiert. So soll unter anderem der Vatikan dort Dokumente untergebracht haben. In der Nähe befindet sich auch das „Svalbard Global Seed Vault“, eine Initiative des Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt. In 130 Meter über dem aktuellen Meeresspiegel liegenden Lagerhallen wurden bis zu 4,5 Millionen Samenproben langfristig eingelagert. Somit sollen der Erhalt und der Schutz der Arten- und Varietäten-Diversität von Nutzpflanzen sichergestellt werden. Das bereits im Jahr 2008 ins Leben gerufene Projekt diente als Vorbild für GitHubs „Arctic Code Vault“.