Das Thema Digitalisierung oder auch digitale Transformation ist ein oft benutztes Buzzword - doch was verbirgt sich eigentlich dahinter? Und wie können Unternehmen den Weg in die digitale Zukunft erfolgreich bestreiten? Wir geben eine Übersicht was Digitalisierung bedeutet und wie Unternehmen die digitale Transformation zu ihrem Vorteil gestalten. 


Definition: Was ist Digitalisierung?

Digitalisierung oder auch digitale Transformation von Unternehmen beschreibt den fortlaufenden Veränderungsprozess hin zu digitalen Prozessen, basierend auf moderner IT-Infrastruktur, digitalen Anwendungen und optimal vernetzter Systeme und Daten. Dabei wird das bestehende Geschäftsmodells digital abgebildet und/oder der ein digitales Produkt aufgebaut. Informationen, Kommunikation, Prozesse und Dienstleistungen werden über digitale Plattformen abgebildet.

Die digitale Transformation führt zur Verschmelzung von Online und Offline, disruptiven Technologien und der Umwälzungen ganzer Branchen. Vorteile und Chancen der Digitalisierung sind Automatisierung, Optimierung und Autonomisierung von Prozessen, die Flexibilisierung und Individualisierung von Produkten und Dienstleistungen sowie innovative Geschäftsmodelle und digitale Produkte. Treiber sind häufig steigende Kundenerwartungen und die Konkurrenzsituation von Unternehmen. 

Pierre Nanteme
Digital is the main reason just over half of the Fortune 500 companies have disappeared since the year 2000.
Pierre Nanteme
CEO
Accenture

Voraussetzungen für Digitalisierung

Um Digitalisierung erfolgreich zu gestalten müssen die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sein. Diese können in 5 Schritten vollzogen werden: 

  1. Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie
  2. Entwicklung von Vorgehensmodellen zur Modellierung digitaler Geschäftsmodelle
  3. Aufbau einer digitalen Organisation
  4. Etablierung agiler Vorgehensmodelle in der Produktentwicklung
  5. Aufbau einer flexiblen IT-Infrastruktur

Digitale Strategie & Treiber

Ausgangspunkt zur Digitalisierung ist die Entwicklung einer digitalen Strategie. Dies beinhaltet die digitale Transformation des Kerngeschäfts sowie die Erschließung neuer digitaler Geschäftsfelder. Treiber der Digitalisierung sind in vielen Fällen die IT-Abteilungen, doch auch Fachabteilungen und Geschäftsführung müssen die digitale Strategie tragen und diese unterstützen. Da Unternehmen oft über wenig Erfahrung bei der digitalen Transformation verfügen ist die Hinzunahme eines professionellen Partners in vielen Fällen eine sinnvolle Investition.

Mehr als 80 Prozent der Unternehmen glauben, dass sie für eine konsequente Umsetzung der digitalen Transformation professionelle Partner brauchen. Diese sollten eine hohe Kompetenz bei der IT-Integration sowie umfangreiches Prozess- und Branchen-Know-how mitbringen.
Studie zur Digitalisierung
computerwoche.de/g/10-thesen-zur-digitalisierung,106053,11

Modellierung digitaler Geschäftsmodelle

Basierend auf der digitalen Strategie erfolgt die Entwicklung von Vorgehensmodellen zur Modellierung digitaler Geschäftsmodelle. Wichtig dabei ist die Vermittlung von Methodenkenntnissen an die gesamte Organisation. Insbesondere sind hier die Ansätze Lean Start-up und Design Thinking zu nennen.

Lean Start-up

Lean Start-Up ist eine Methode zur schnellen Entwicklung von Organisationseinheiten oder Produkten mit möglichst schlanken Prozessen und wenig Kapitaleinsatz. Der Fokus liegt auf reduzierter Konzeptionsphase, kurzer Time-to-Market und einer möglichst schnellen Kreation eines Protoyps am Markt. Der Prototyp wird in kurzen, iterativen Produkt-Release-Zyklen kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei kann kurzfristig ohne große Kosten auf validierte Learning-by-Doing Erfahrungen sowie Kundenfeedback und -wünsche reagiert werden.

Design Thinking

Design Thinking ist ein Ansatz zur Problemlösung und Ideenfindung basierend auf Anwendersicht, sowie deren Bedürfnisse und Motivationen. Dabei kommt eine Vielzahl von Methoden mit Fokus auf Nutzerorientierung, Visualisierung, Simulation und iteratives Vorgehen zum Einsatz. Beispiele dafür sind Personas, Interaktionsverläufe und Touchpoints mit Kunden unter Berücksichtigung deren Präferenzen, Erlebnisse und Emotionen. Design Thinking basiert auf der Annahme, dass durch die Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem kreativen Umfeld Probleme besser gelöst werden können.

Aufbau einer digitalen Organisation

Für den Aufbau einer digitalen Organisation gibt es 3 Varianten:

1. Evolution

Evolutionäre Veränderung des Unternehmens hin zur digitalen Organisation. Es gibt weniger Storming-Phasen, jedoch verläuft der Prozess sehr langsam.

2. Revolution

Abrupte Restrukturierung der Organisation. Der Prozess verläuft schneller, jedoch können Probleme in der Storming-Phase der Gesamtorganisation das Bestandsgeschäft gefährden.

3. Digitale Unit

Auslösen einer digitalen Einheit, entweder als Abteilung oder durch Ausgründung in eine separate Organisationseinheit wie z.B. ein Tochterunternehmen. 

Die Variante der Ausgründung einer digitalen Einheit ermöglicht das Testen digitaler und agiler Ansätze in einem geschützten Bereich. Gleichzeitig wird das Bestandsgeschäft des Mutterschiffs geschützt. Erfolgreich getestete agile Prozesse und Methoden können später ins Mutterschiff übertragen werden.

Etablierung agiler Methoden

Wichtig bei der Gründung einer digitalen Einheit ist insbesondere die passende Methodenkompetenz, um die benötigten digitalen Strukturen erfolgreich umsetzen zu können. Dies betrifft sowohl Strukturen und Prozesse als auch die Kultur.

Zur Etablierung agiler Vorgehensmodelle in der Produktentwicklung bedarf es schrittweise einer agilen Transformation der IT Abteilung. Im Fokus stehen dabei die radikale Verkürzung von Releasezyklen bis hin zu Continuous Deployment, Testautomatisierung, Etablierung von Qualitätssicherungsprozessen wie z. B. Code Reviews und vieles mehr. In vielen Fällen ist ein in Digitalisierung und agilen Methoden erfahrener Partner sinnvoll, der das agile und digitale Mindset vorlebt und die Methodenkenntnisse in die Organisation diffundieren lässt. Auf diese Weise wird neben den nötigen Strukturen auch das passende Know-how in die Organisation integriert.

Aufbau einer flexiblen IT-Infrastruktur

Die Flexibilität und Agilität einer Organisation steht und fällt mit der Flexibilität seiner IT-Infrastruktur. Um in dynamischen Märkten agile Methoden anwenden und möglichst schnell auf wechselnde Anforderungen reagieren zu können muss die IT-Infrastruktur und -architektur dies unterstützen. Das heißt: Die schnelle Bereitstellung von Entwicklungsinfrastruktur (Infrastructure as Code) ist eine wichtige Voraussetzung zur Digitalisierung und ist ein Vorteil der Organisation.

 

 

IT Systeme sind genau so geschnitten wie die Kommunikation in Unternehmen, z.B. wenn Marketing mit Sales und RG kommunizieren muss werden dafür Schnittstellen erstellt - Umgekehrt wenn die Schnittstellen erstmal stehen müssen bei Änderungen neue gebaut werden - bei flexibler IT und Funktionen/bounded contexts wird möglichst viel in vorgefertigten, abgeschlossenen Funktionen programmiert, so dass nicht alles immer neu programmiert werden muss

„Organisationen, die Systeme entwerfen, […] sind auf Entwürfe festgelegt, welche die Kommunikationsstrukturen dieser Organisationen abbilden.“

Conways Law (Organisation muss fachlich genauso geschnitten sein wie die Systeme)

Strategic Domain Driven Design – Teams sind "Bounded Contexts"/abgeschlossene Funktionen einer Kernkompetenz, z.B. Funktion Leasingberechnung, in deren Rahmen sie an einer klar abgegrenzten Fachlichkeit arbeiten. Diese fachlichen Schnitte müssen erarbeitet und an der Unternehmensstrategie ausgerichtet entwickelt werden.