geschrieben von Kacper Potega Projektmanagement
Why Scrum makes you happy
Why Scrum makes you happy
30. Juni 2015 | Kategorien: Agility & Project Management , Behind the scenes
Über den Autor Kacper Potega Kacper Potega Projektmanagement

Wer schon einmal in einem Umfeld gearbeitet hat, wo das Scrum-Framework konsequent umsetzt wird, hat es schon selbst erlebt. Alle anderen können es mir an dieser Stelle ruhig glauben: Scrum macht glücklich.

Sicherlich findet jeder einen Aspekt, der ihn am meisten anspricht: Sei es die Möglichkeit der ständigen Verbesserung oder die Tatsache im Optimalfall immer genau die Dinge auszuliefern, die der User und der Kunde auch wirklich brauchen.

Interessant ist aber auch die Frage, was eigentlich die Wissenschaft zu dem Thema zu sagen hat.

Einer der bekanntesten Forscher im Bereich des Glücks ist Mihály Csíkszentmihályi. Berühmt geworden ist er mit der Beschreibung des „Flow-Erlebens“, das er u. a. bei Extremsportlern oder Chirurgen beobachten konnte. Als Flow bezeichnete Csíkszentmihályi das „beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit, die wie von selbst vor sich geht“.

Der Erziehungswissenschaftler Felix von Cube greift diesen Ansatz auf und versucht zu erklären, warum Menschen Flow-Erlebnissen nachgehen wollen. Er führt dabei das Erleben von Flow auf die Befriedigung eines angeborenen Triebes zurück. Warum klettern Menschen auf Berge, warum forschen sie, warum gehen sie an ihre Grenzen? Wo liegt der evolutionäre Vorteil eines solchen Verhaltens? Cube erklärt das mit dem Trieb der Neugier.

Neugier biete, so Cube, einen evolutionären Vorteil, da sie den Menschen dazu führe aus Unbekanntem Bekanntes, aus Unsicherheit also Sicherheit zu machen und so seine eigene Komfortzone ständig zu erweitern. Deswegen sei der Mensch von der Natur so programmiert, dass er Flow-Erlebnisse als Glücksgefühle empfinden muss.

Wie Sorgt Scrum als Framework für die Softwareentwicklung nun also dafür, dass das Team ständig Flow erlebt?

Aus meiner Sicht fängt es schon damit an, wie ein klassisches Product Backlog innerhalb eines Scrum-Prozesses aufgebaut ist. Ein Product Backlog enthält von oben nach unten durch den Product Owner priorisierte User Stories. Diejenigen, die ganz oben stehen, verfügen dabei über einen hohen Detailgrad. Je weiter man das Backlog nach unten wandert, umso vager werden die Anforderungen innerhalb der User Stories. Das Team arbeitet von Iteration zu Iteration das Backlog auf genau diesem Pfad, von oben nach unten, ab.

Das Erleben von Flow führt hierbei auch zu einer gewissen Sucht nach genau diesem „Kick“, was auch erklärt, wieso Kletterer auf immer höhere Berge steigen wollen oder auch, warum Scrum-Teams danach streben, immer performanter zu werden und durch ständige Verbesserung immer komplexere Aufgaben bewältigen zu können.

Hier wird schon deutlich: Dem Scrum-Prozess ist das „aus Unbekanntem Bekanntes, aus Unsicherheit Sicherheit machen“ inhärent. Von Iteration zu Iteration erforscht das Team immer größere Tiefen des Backlogs, steigert sein Potential und kann als Gruppe Flow erleben, indem es der „Lust an Leistung“ nachgeht.

Natürlich gibt es dafür zwei Voraussetzungen:

  1. Das Projekt muss eine echte Herausforderung bieten. Flow entsteht nämlich nur, wenn man seine Komfortzone überwinden und Neues erkunden muss. Besteht in dem Projekt keinerlei Anspruch, kann auch kein Flow-Erleben zustande kommen. Vielmehr besteht hier die Gefahr der Langeweile.
  2. Der Anspruch darf die Fähigkeiten des Teams nicht übersteigen. Wagt man sich zu weit aus seiner Komfortzone raus, geht Flow in Angst über, die Glücksgefühle ebenfalls verhindert.

Die Aufgabe einer agilen Organisation ist es also, Teams immer entsprechend der bevorstehenden Aufgabe zusammenzustellen. Es macht nicht immer Sinn die erfahrensten Entwickler an jedes Projekt zu setzen, da diese sich schnell unterfordert fühlen könnten. Ebenso gilt diese Einschränkung umgekehrt.

Auch aus diesem Grund erscheint es sinnvoll Kunden keine Projekte zu verkaufen, sondern ein an seine Herausforderungen zugeschnittenes Team mit der dazugehörigen Methode. So ist es möglich, dass das Team bei der Arbeit für den Kunden ständig Flow, also Glücksmomente, erlebt und nach ständiger Verbesserung durch Befriedigung der Neugier strebt.

Wer würde sich so ein Team nicht wünschen?