geschrieben von Kacper Potega Projektmanagement
I found a business model in my laundry room
I found a business model in my laundry room
19.01.2016
Über den Autor Kacper Potega Kacper Potega Projektmanagement

Warum brauchen wir hier eigentlich sechs Waschmaschinen und sechs Trockner? – das habe mich ich gefragt, als ich kürzlich in der Waschküche unseres Mehrfamilienhauses stand. Jede Wohnpartei hat ihre eigene Waschmaschine und ihren eigenen Trockner in einem gemeinschaftlich genutzten, sehr großen Raum. Und wenn ich unsere Wäsche in die Waschküche bringe, kommt es nur sehr selten vor, dass eines der anderen Geräte gerade läuft.

Durch die Startup-Landschaft wandert aktuell die Sicherheit, dass selbstfahrende Autos unser vom Menschen gesteuertes Automobil in Kürze ersetzen wird. Schließlich sei die Auslastung eines durchschnittlichen Fahrzeugs ziemlich schlecht (weil es am Tag nur wenige Minuten bis Stunden in Bewegung ist).

Wie das Waschküchenbeispiel zeigt, muss man aber nicht einmal das Haus verlassen, um Beispiele für schlecht ausgelastete technische Geräte zu finden. Eigentlich ist es umgekehrt viel schwieriger, Geräte zu finden, die eine hohe Auslastung besitzen.

Schlechte Auslastung als Vorzeichen für Disruption

Erst wenn man seinen Alltag unter diesem Gesichtspunkt, dem der Auslastung, betrachtet, wird deutlich, wie viel Potenzial für Disruption noch in den meisten Lebensbereichen steckt und welche Veränderungen insbesondere durch die Vernetzung dieser Geräte auf uns zukommen werden.

Auf der anderen Seite steckt hier für Unternehmen, die nach neuen Geschäftsmodellen suchen, ein guter Ansatz – Konsumentenbedürfnisse zu suchen, die noch effizienter befriedigt werden könnten. Oder anders gesagt: Was sind große Anschaffungen, die wir tätigen, obwohl wir die Konsumgüter nur selten Nutzen?

Auch erklärt dieser Ansatz den Erfolg vieler Produkte. Das iPhone etwa verbesserte so die Auslastung des Telefons, des iPods und eines mobilen Computers, indem es alle drei Geräte in einem vereinte und über ein einfaches Interface erreichbar machte.

Geschäftsmodelle darauf aufbauen, was der Konsument nicht braucht

Natürlich können viele Ideen, die sich so ableiten lassen, im Moment nicht ohne weiteres umgesetzt werden. Alleine eine gemeinschaftliche Waschmaschine sorgt schon für nahezu unüberwindbare Probleme, wenn man sich nicht besonders mit seinen Nachbarn versteht (soll es ja häufig genug geben). Mit dem technologischen Fortschritt, selbstfahrenden Autos und Drohnen, die unsere Pakete ausliefern, finden sich in Zukunft aber auch für diese Probleme Lösungsansätze, an die wir heute noch gar nicht denken. Wenn Roboter die eigene Wäsche abholen, waschen, sortieren und Bügeln, funktioniert es schließlich auch ohne nachbarschaftlichen Kontakt.

Insofern ist es zwar gut, bei der Konzeption von Produkten darüber nachzudenken, was der Konsument braucht. Ein mindestens genauso guter Ansatz wäre aber auch darüber nachzudenken, was der Konsument schon hat, aber eigentlich nur selten braucht.

Mehr Arbeit, um weniger zu arbeiten

Geht man nun einen Schritt zurück, wird die einzigartige Situation, die sich hier entwickelt, deutlich: Es ist vermutlich das erste Mal seit der Industrialisierung, dass sich ökonomische Interessen mit ökologischen überschneiden.

Wenn wir von Share Economy und Optimierung von Auslastungen sprechen, bedeutet das nämlich auch, dass von den Produkten, die in Zukunft möglicherweise geteilt werden können, viel weniger benötigt werden. Während hunderttausende Fahrzeuge im morgendlichen Berufsverkehr in Bewegung sind, stehen mindestens genauso viele noch unbenutzt in Garagen und auf der Straße. Kommt ein geliehenes Auto in Zukunft einfach zu mir, wenn ich es brauche, brauchen wir als Gesellschaft in Zukunft also viel weniger Autos.

Möglicherweise gelangen wir also in eine Situation, in der wirtschaftliches Wachstum statt rücksichtloser Ausbeutung auch Ressourcenschonung bedeutet. Und damit beziehe ich mich nicht ausschließlich auf natürliche Ressourcen, sondern auch auf die Arbeitskraft der erwerbstätigen Bevölkerung. Denn mit Fortschritten in Automatisierung, Vernetzung und künstlicher Intelligenz kann sich die Auslastung von Maschinen optimieren (also: steigern) lassen. Gleichzeitig wird menschliche Arbeitskraft aber auch immer weniger bedeutsam. Dieser Umstand konfrontiert uns zwar mit neuen Herausforderungen (was machen wir mit der ganzen Freizeit – und wie finanzieren wir sie eigentlich?), die alle aber auf keinen Fall unlösbar sind. Wenn schon CEOs großer internationaler Unternehmen über das Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens nachdenken, ist zumindest nicht auszuschließen, dass etwas dran sein könnte.

Solche utopischen Zukunftsvorstellungen mögen gerade nicht wirklich im Trend liegen. Aber, in Anbetracht der vielen Herausforderungen, denen sich unsere Gesellschaft momentan stellen muss, sollten wir uns über diese Konzepte intensiv Gedanken machen und untereinander austauschen. Denn es ist wichtig eine Vision zu haben, wenn auch nur im Hinterkopf, von einer Welt, auf die wir gemeinsam hinarbeiten möchten. Auch um zu wissen: Wir digitalisieren unsere Geschäftsprozesse nicht nur für ökonomisches Wachstum, sondern haben auch die einmalige Chance, die Welt dadurch ein Stück besser zu machen.