geschrieben von Denis Zastanceanu Design
Fünf Grundsätze des Schachs im agilen Projektmanagement
Fünf Grundsätze des Schachs im agilen Projektmanagement
19.11.2015
Über den Autor Denis Zastanceanu Denis Zastanceanu Design

Von Natur aus neugierig, habe ich die Angewohnheit, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Hier bei AOE setzen wir unsere Projekte mit der agilen Scrum-Methodologie um. Heute möchte ich darüber schreiben, wie Grundsätze des Schachs im agilen Projektmanagement eingesetzt werden können. Du wirst wahrscheinlich fragen: Was hat die Arbeit an einem Projekt mit diesem Brettspiel gemein? Eine Menge, denke ich.

Nichtsdestotrotz ist dies kein Beitrag über Entwickler kontra Projektmanager kontra Stakeholders, sondern durchleutet, wie ich denke, eine Situation, bei der alle Beteiligten gewinnen – ein erfolgreich durchgeführtes Projekt.

Kenne das Ziel

Dienstleister und Klienten haben beide das Ziel, ein Projekt zum Erfolg zu führen. Als Erstes, sprich offen mit deinen Klienten und lass sie wissen, dass du sie verstehst und dass ihr auf der gleichen „Wellenlänge“ seid. Mach es dem Kunden deutlich, dass einige seiner Maßnahmen zu einem unnötigen Einsatz von Ressourcen führen können (auf beiden Seiten), z. B. in Form von Zeit, Geld oder Arbeit. Der Schlüssel hier ist, dass beide Seiten das gleiche Ziel vor Augen haben. Dies zu beherzigen, hilft Missverständnisse zu vermeiden. Und, jede Maßnahme seitens des Dienstleisters oder des Kunden kann negative Auswirkungen haben, oder andererseits das Projekt auch vorantreiben. Also, bewerte und analysiere den Geschäftswert jeder Aktion und jedes Sprintziel von diesem Standpunkt aus. Genau wie Schachspieler es tun, bevor sie einen einzigen Zug machen.

Die drei Phasen

Jede Schachpartie besteht aus drei Phasen: die Eröffnung, das Mittelspiel und das Endspiel. Ein Scrum-Sprint besteht ebenfalls aus drei Phasen: Sprint-Planung, Sprint-Durchführung und Sprint-Ende. Während eines Schachspiels ist am Anfang (Eröffnung) und in der Mitte (Mittelspiel) Kreativität stärker gefragt. Aber, je mehr man sich dem Endspiel nähert, desto stärker wird die Rolle der reinen Mathematik. Jetzt führen nur noch ganz bestimmte Züge zum Erfolg. Eine einzige Unachtsamkeit kann zur Kapitulation führen.

Was Agile Scrum betrifft, müssen alle drei Phasen ebenfalls sorgfältig durchgeführt werden. Wähle User Stories während der Sprint-Planung gewissenhaft aus und gewährleiste, dass sie dann exakt implementiert werden (während der Durchführungsphase), bevor das Sprint-Ende erreicht wird. Falls eines der Phasen vernachlässigt wird, kann es ansonsten zu einem Scheitern des gesamten Sprints führen.

Vorbereitung & Planung

Es gibt Spiele, wo Glück oder Zufall eine wichtige Rolle spielen. Schach gehört nicht dazu. Und genauso wie man ohne ein bestimmtes Erfahrungsniveau kein guter Schachspieler sein kann, ist es ebenfalls unmöglich, einen Sprint erfolgreich zu beenden, wenn man die User Stories unüberlegt ausgesucht hat. Recherchiere am Projektanfang, um einen guten Start zu garantieren.

Hier ein Beispiel. Bevor man mit dem Schachspielen anfängt, ist eine gute Idee, die Wissensdatenbank der Eröffnungen gründlich zu erforschen. Analog dazu: Wenn dein Sprint schlecht geplant worden ist, kannst du damit rechnen, dass der aktuelle oder ein künftiger Sprint scheitern wird.

Geduld & Zeitmanagement

Im Schach gibt es „Blitzpartien“, aber auch Spiele, die sich über Tage erstrecken. Es ist wichtig, geduldig zu sein: um zu evaluieren, eine Strategie zu entwickeln und Taktiken zu überdenken. In der Entwicklung mit Agile Scrum ist es ebenfalls entscheidend, Geduld zu haben und überstürzte Entscheidungen sowie eine allzu schnelle Analyse zu vermeiden. Und auch wenn du am Anfang eines Projekts keine zeitlichen Grenzen oder knappe Deadlines hast, so ist es trotzdem essenziell, eine perfekte Balance von Zeit, Strategie und Ressourcen zu finden.

Kreatives Denken

Ein großer Schachspieler zeichnet sich durch Kreativität aus – aber auch dadurch, dass er ungewöhnliche und unerwartete Züge auswählt. Bei Scrum ist es ähnlich; hier muss das Team erfinderisch sein und ständig innovative Ideen entwickeln, während es aktiv am Projekt arbeitet. Und hier ist der Beitrag jedes Team-Mitglieds wichtig.

Die Gambit Ideologie

Bekanntermaßen impliziert ein Gambit (also ein Baueropfer in der Eröffnung), dass der Spieler früh etwas opfert, um einen späteren Vorteil zu erzielen. In diesem Sinne kann der Begriff auch auf das Agile Scrum Projektmanagement angewandt werden – und zwar sowohl in der Projektentwicklung als auch in der internen Team-Zusammenarbeit. Das Konzept: Ein Gambit (also ein kleines Opfer) wird angeboten, um etwas für das gemeinsame Ziel des Projektteams und des Klienten zu tun – etwas, das für beide Seiten wichtig ist. Entscheidend ist es, den Gesamtüberblick zu behalten.

Analysiere und suche nach einem besseren Zug

In der agilen Entwicklung, während du dein Ziel verfolgst, gibt es vielleicht mehr als eine Richtung, in die du gehen kannst. Beim Schach ist es ähnlich; hier gibt es für jeden Zug unendliche viele Varianten. Wenn du aber einen guten Zug gefunden hast, höre nicht damit auf, nach Perfektion zu streben:

Emanuel Lasker
Wenn du einen guten Zug siehst, suche nach einem besseren!
Emanuel Lasker
Schachweltmeister von 1894 bis 1921

Eine analytische Überprüfung der bereits getroffenen Entscheidungen (in Agile Scrum ist es die so genannte Sprint-Retrospektive) reduziert langfristig die Chancen von zusätzlichen Fehlern. Alle großen Schachmeister analysieren ihre vorangegangenen Partien – auch die siegreichen. Dies ist auch ein wichtiges Element des iterativen Prozesses in agilen Scrum-Teams.

Fazit

So können Schach-Prinzipien in der Geschäftswelt angewandt werden, vor allem bei Agile Scrum. Agiere wie die Großmeister und:

  • Bedenke dein Ziel
  • Bereite dich vor
  • Behalte die Uhr im Auge
  • Scheue das Opfer nicht
  • Sei immer auf der Suche nach einem besseren Zug

Erwarte keine Wunder – weil es keine geben wird. Übe, analysiere und arbeite hart – und am Ende erzielst Du eine „win-win-Situation“ für alle Stakeholder.

Sei ein Spieler – und nicht eine Figur.