geschrieben von Steven Bailey VP, Sales & Business Development
E-Commerce-Händler wenden sich an Do-it-yourself-Teams für Software Entwicklung
E-Commerce-Händler wenden sich an Do-it-yourself-Teams für Software Entwicklung
29.09.2015
Über den Autor Steven Bailey Steven Bailey VP, Sales & Business Development

Die deutschen E-Commerce-Händler befinden sich auf dem Weg, ihre geschäftskritischen Online-Business-Lösungen zu kontrollieren – etwas, das mir auf der K5 Konferenz, die vor Kurzem in München stattfand, wieder sehr bewusst wurde.

Viele Unternehmen können ihren Erfolg nicht länger ausschließlich mit reinen E-Commerce-Lösungen, die mit Standardprodukten umgesetzt werden, aufrechterhalten. Unternehmen werden immer mehr zu „Cross over“ Unternehmen: Wie an anderen Stellen in unserem Leben, vermischen sich Elemente und viele von ihnen erschüttern den Status quo – angefangen als kleine Keimzelle, die sich aus der Masse herausentwickelt. Die deutschen E-Commerce-Händler müssen auch ihre Wissensbasis erweitern, um profitabel wachsen zu können. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel für diesen Trend ist Amazon.

Es gehört allerdings mehr dazu, als das Portfolio um neue Produktlinien zu erweitern oder in den Bereich von Web-Services nach dem Vorbild von Amazon Web Services zu expandieren.

Deutsche Online-Händler wie Zalando oder Mister Spex verfolgen eine andere Strategie: Sie bauen eigene Entwicklungsteams auf. Und der Trend ist nicht nur auf E-Commerce-Unternehmen begrenzt. Supermarktketten wie Rewe und Tengelmann setzen ebenfalls auf diesen Trend und bauen Online-Sites aus, während sie gleichzeitig ihr technisches Know-how erweitern.

Was ist die Motivation?

Auf den ersten Blick hat es den Anschein, dass der Aufbau von Software Entwicklungskompetenz ausschließlich für den internen Gebrauch ist. Dies könnte zu Anfang auch tatsächlich der Fall sein. Händler reagieren schlicht auf die steigenden Online-Zugriffszahlen sowie auf Herausforderungen an die Performance ihrer technischen Infrastruktur. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Web-Plattform bis zu 5.000 Lastspitzen pro Sekunde oder 500 User, die sich zur gleichen Zeit im Check Out befinden, bewältigen muss. Auto-Skalierung ist ein weiteres Thema, womit sich die Unternehmen auseinandersetzten müssen.

Diese Fragen und viele weitere müssen beantwortet werden und es ist oft von Vorteil, wenn Experten sich im eigenen Unternehmen befinden. Intern hat man eventuell ein viel besseres Verständnis des eigenen Business Case des Unternehmens – bezogen auf Produkte, Märkte und Kunden, sowie auf die sich laufend verändernde Anpassung der Go-to-Market-Strategie.

Ein zusätzlicher Grund, weswegen größere Unternehmen ihre Software Entwicklung In-House verlagern, ist der Mangel an wirklichen Alternativen im Markt. Es gibt zu wenige qualifizierte Anbieter von Enterprise-Lösungen, die in der Lage sind, E-Commerce-Plattformen in dieser Größenordnung zu entwickeln und zu betreiben. Ein „Cross Over“ Unternehmen hat eine sehr detaillierte Marktkomplexität – und es gibt nicht viele Anbieter, die gewillt oder fähig genug sind, einen so tiefen Drill-down durchzuführen. Darüber hinaus könnten Einzelhändler tatsächlich glauben, dass sie besser und schneller auf ihre Bedürfnisse reagieren können, als externe Anbieter.

Warum also nicht selber machen?

Best-of-Breed kontra Alleskönner

Die wahre Gefahr für Online-Händler liegt darin, dass die Fähigkeiten des Unternehmens verwässert werden. Anstatt sich auf einen Best-of-Breed Ansatz zu konzentrieren, indem man sich auf das Kerngeschäft besinnt, versuchen sich diese Unternehmen an komplexen technischen Fragen. Dies bedeutet, dass die Unternehmen innovative Trends in IT, Frameworks, technische Tools etc. in Auge behalten müssen. Als eines der führenden Open Source Unternehmen ist uns bei AOE bewusst, dass es eine Herausforderung ist, neue und innovative Technologie-Trends zu verfolgen und dafür auch die Teams zu haben – und diese Herausforderungen werden künftig exponentiell weiter wachsen.

Warum also selber machen?

Was machen diese Unternehmen? Sie erschüttern ihr Business. Dies ist nur natürlich, da der „Immerwährende Umbruch“ (Perpetual Disruption) eine Konstante in der heutigen Wirtschaft ist. Im Falle von Zalando wurde diese Erschütterung am besten mit dem Slogan „Schrei vor Glück“ veranschaulicht. Sie erschütterten nicht nur das eigene Geschäft, sie erschütterten auch die gesamte Modebranche – insbesondere den Schuhverkauf. Bis heute erschüttert Zalando tagtäglich sein Business.

Der „Immerwährende Umbruch“ stellt sowohl Online-Händler als auch die Web Solution Integratoren, die externe E-Commerce-Dienstleistungen wie Entwicklung und Implementierung von großen Online-Lösungen zur Verfügung stellen, vor Herausforderungen.

Alle Systemintegratoren: „Scream for disruption!“

Es gibt eine Vielzahl von komplexen Unternehmen, die händeringend nach anspruchsvollen „Cross Over“ Weblösungen suchen.